Aus der Geschichte des RCV (1957-1985)
1985 Bearbeitet und zusammengestellt von Werner Potthast
01.05.2000 - Wenn auch ein übereifriger Ordnungsfanatiker alle bis zum Jahre 1967 vorhandenen Vereins Aufzeichnungen für wertlos hielt und vernichtet hat, so soll an Hand von mündlichen Überlieferungen und privaten Unterlagen langjähriger Vereinsmitglieder nachfolgen der Versuch unternommen werden, den Werdegang des RCV chronologisch aufzuzeigen. Fahren wir also dort fort, wo im Jahre 1956 der aus Privatbesitz stammende vorangegangene Bericht der früheren Kappenbrüder Hans Becker und August Schmidt endet.
In der Generalversammlung 1957 wurde Willi Bender zum 1. Vorsitzenden gewählt. Diesen Vorsitz und das 1954 bereits übernommene Amt des Sitzungspräsidenten konnte er in den folgenden Jahren über viele Wahlperioden hinaus auf sich vereinigen. Unter seiner Regie liefen während der nächsten Jahren alle Sitzungen und Saalveranstaltungen, die seitdem eine wesendliche Steigerung erfuhren. Er verstand es meisterhaft karnevalistisches Gedankengut in die Reihen der Mitglieder hinauszutragen und ein gutes Verhältnis und eine gute Zusammenarbeit mit Vorstand, Komitee und Garde zu schaffen.
Nicht nur glanz- und prunkvolle Veranstaltungen mit humorigen Stimmung waren es, die zur Freude unter den Mitglieder führte und die Gemüter bewegten, sondern es gab auch Trauer in den Reihen des RCV. Im November 1956 verstarb der Ehrenpräsident Landrat a. D. Jean Harth und etwas später der Ehrenpräsident Altbürgermeister Ludwig Dörfler. Mit ihnen verlor der Verein nicht nur zwei unermüdliche Förderer, sondern auch zwei langjährige Freunde.
Von der Jubiläums-Kampagne 1958 wäre zu berichten, dass aus Anlass des 2x 11-jährigen Bestehens und des außerordnredliche gut vom Publikum angenommene Sitzungsprogramms zusätzlich eine Prunksitzung im Kaisersaal von Königstätten stattfand und eine "Rheinische Karnevals-Sitzung" im befreundeten Bad Waldsee. Fritz Nass begann im gleichen Jahr für den Chor der Hofsänger zu werben und konnte bei deren Gründungen im Februar 1959 insgesamt 22 Mitglieder vorstellen, die alle aus der Prinzengarde stammen.
Aus Anlass der Kampagne- Eröffnung am 11.11.1959 traten die Hofsänger unter ihrem Dirigenten Willi Müller zum erstenmal auf. Ein Jahr später konnte man den Gesangsolisten Karl Schmidt in den Chor aufnehmen. Ab 1968 übernahm Wolfgang Beutner das Dirigentensamt. Zusammen mit Fritz Nass ist er noch heute bei den Hofsängern tonangebend.
In der Kampagne 1960 wurde das 5. Prinzenpaar Klaus I. und Christel I. inthronisiert. Im gleichen Jahr gestaltete der RCV zum erstenmal einen bunten Altennachmittag im Städtischen Altenwohnheim, der noch heute mit unterhalten Musik- und Vortragsprogrammen jährlich als Oktoberfest zur Freude der älteren Herrschaften vom RCV veranstaltet wird.
Im Jahre 1961 wurden aus Anlass des 25-jährigen Vereinsjubiläums viele Korporationen und Garden von befreundeten Karnevalsvereinen aus dem In- und Ausland zu einem Aufmarsch nach Rüsselsheim eingeladen. Anschließend fand ein großer Manöverball im Hotel Adler Statt. Der Gardeaufmarsch wurde von der Bevölkerung mit einer derart großen Begeisterung aufgenommen, dass alljährlich wieder am letzten Sonntag im Januar der "Internationaler
Gardetag" mit anschließendem Manöverball stattfindet. Dabei defilieren die einzelnen Gruppen in ihren schmucken und farbenprächtigen Uniformen nach einem Marsch durch die Straßen der Innenstadt an den närrische Ehrengäste auf der Tribüne vor dem Rathaus vorbei.
Der Grundstein zum Bau der RCV-Zeughalle in der Hamburger Str. 31a wurde 1962 gelegt. Im Herbst 1963 war die Halle fertiggestellt und konnte eingeweiht werden.
Zur Kampagneeröffnung 1963 fuhr zum erstenmal eine Abordnung des RCV nach Blau Gelb Berlin Charlottenburg. Der Berliner Karnevalverein nahm im darauffolgenden Jahr zum ersten mal am Gardetag in Rüsselsheim teil.
Die Erstürmung des Rüsselsheimer Rathauses zwecks Übergabe der Schlüsselgewalt und der Herausgabe der Stadtkasse an das närrische Staatministerium des RCV erfolgte erstmals am Fastnachtsamstag 1965 und ist seitdem ein ständiger Brauch geworden.
1966 fand die Jahreshautversammlung der Interessengemeinschaft Mittelrheinischer Karneval (IGMK) in Rüsselsheim statt.
Zur Entlastung von Willi Bender übernahm Wolfgang Beutner ab 1968 das Amt des Sitzungspräsidenten und Claus Christeinicke organisierte das 1.Komitee-Training (Kommers).Bei der Ordensfeier im gleichen Jahr erhielt Landrat Alfred Schmidt und Bürgermeister Dr. Karl-Heinz Storsberg als erster die Ehrenmützen des RCV, nachdem sie bei der vorhergehenden Jahreshauptversammlung in Würdigung ihrer Verdienste um den Rüsselsheimer Karneval zu Ehrenmitgliedern des RCV ernannt worden waren. Diese war Ihr einstig in das Ehrenoffiziercorps der Prinzess -und Prinzengarde im RCV 1936 e.V.
1969 konnte der RCV auf ein 3x11 jähriges Vereinsbestehen zurückblicken.
Der erste Neujahrsempfang für den RCV nahstehende Stadtverordnete, Kommunalpolitiker, Geschäftsleute und sonstige Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben fand 1971 statt.
Aus Gesundheitlichen gründen konnte Wolfgang Beutner 1972 das Amt Sitzungspräsidenten nicht mehr ausüben. Seine Nachfolge trat Ernst Schydlowski an.
Wolfgang Beutner wurde 1973 in der Generalversammlung zum 1. Vorsitzenden gewählt und Willi Bender, der 15 Jahren mit Bravour die Geschicke des Vereins gelenkt hatte, wurde zum Ehrenpräsidenten ernannt. Ungeachtet dessen organisierte Willi Bender weiterhin den Internationalen Gardetag des RCV in Rüsselsheim, den er seinerzeit ersann und erstmals einführte. Das Amt des Sitzungspräsidenten konnte Josef Mispagel infolge eines Unglücksfalls leider nur zwei Kampagnen lang ausüben. An seiner Stelle trat Herbert Pfeifer, der schon vorher als aktiver Redner erfolgreich in der Bütt stand und bis zur vollen Zufriedenheit aller Elferratspräsidenten das närrische Zepter führte.
1976 musste Wolfgang Beutner erneut aus gesundheitlichen Gründen sich vom Vereinsleben zurückziehen und den Vereinsvorsitz aufgeben. Adi Brüstle sprang für ihn ein und erledigte vorübergehend die laufenden Vereinsgeschäfte, bis er durch die Jahreshauptversammlung im Mai des gleichen Jahres als kommissarischer Präsident bestätigt wurde und ab der Generalversammlung 1977 offiziell das Amt des Vereinsvorsitzenden übernahm. In der nachfolgenden Zeit entwickelte der Verein viele Aktiven und führte viele Veranstaltungen durch, die alle in die Stadthalle verlegt wurde. Einige langjährige Mitglieder blieben jedoch nun von den aktiven Vereinsarbeit fern, weil Ihnen die etwas abgewandelte Vereinsführung nicht zusagte. Ungeachtete dessen konnte Adi Brüstle den Verein aus einem finanziellen Engpass herausführen und gemeinsam mit dem Vorstand beachtliche Erfolge und Gewinn erzielen. Bei der Jahreshauptversammlung
1978 und in der darauffolgenden Zeit wurden einige Mitglieder wegen mangelhafter Aktivitäten kritisiert. Diese Unstimmigkeiten führten letztlich dazu, dass die Generalversammlung im Mai 1979 einen anderen Vereinsvorsitzenden wählte.
Horst Weidner, der schon drei Jahre lang als Vizepräsident tätig gewesen war, wurde von nun an 1. Vorsitzender. Er bestand mit der Kampagne 1979/80 seine erste Bewährungsprobe und stellte unter Beweiß, dass sein Verhältnismäßig geringes Alter kein Handikap war. Im Gegenteil, er sorgte sich um die Jugend und setzte sich dafür ein, dass eine Kindergruppe entstand , die durch Freizeitgestaltungen wie Basteln, Spielen, Zeltlager usw. die Sommermonaten über Zusammenhalt findet und während der Kampagne mitwirket und Tänze aufführt. Außerdem gründeten sich unter seiner Regie folgenden Aktivgruppen: Männerballett, und Damentanzgruppe unter der Leitung von Karin Haupt sowie das Damenkomitee des RCV.
Alle Veranstaltungen anlässlich des 4x11- jährigen Vereinsjubiläums im Jahre 1980 waren - bis auf den Maskenball-gut besucht. Die Kampagne 1981 verlief zufriedenstellend. Beim Maskenball erfolgte zum erstenmal die Wahl einer Miss Karneval. In der Generalversammlung wurde Horst Weidner als Vorsitzender, Seppl Bumb und Herbert Pfeifer als Vizepräsidenten, Werner Knoblich als Geschäftsführer und Margit Dambmann als Schatzmeister wiedergewählt. Bei den Beisitzern gab es nur wenige Veränderungen. Im sommers nahm die Garde des RCV als "Fastnachtskorsoration" am Hessentag in Bürstadt/Ried teil.
Von der Kampagne 1982 gibt es nichts außergewöhnliches zu berichten. Alle Mitglieder und Aktiven waren bei der Jahreshauptversammlung zufrieden mit dem Abschneiden des RCV. Während der Fastnacht 1983 veranstaltete der RCV wie in all den anderen Jahren einen Senatsball, drei Prunksitzungen, einen Maskenball und ein Kindermaskenfest. Willi Bender wurde beim Rathausempfang zum Stadtmarschall ernannt. Bei der Generalversammlung gab es keine Veränderung im Vorstand.
Im Jahre 1984 begangen die Hofsänger des RCV ihr 25-jähriges Bestehen. Die Kampagnen verlief verhältnismäßig gut. Und das sehr umfangreiche Sommerprogramm bot für jeden etwas. Unumgängliche Renovierungsabreiten am Zeughaus und die Erneuerung verschiedener Einrichtungen belasteten 1985 die Vereinskassen sehr. Hinzu kam, dass der Maskenball trotz erheblicher Anstrengen nicht den erhofften Besucherzuspruch hatte. Wie auch alle anderen Veranstaltungen positiv verliefen und geringe Gewinn zu verzichten waren, so war letztlich das Budget doch überzogen und die Schatzmeisterin Margit Dambmann konnte auf der Generalversammlung nur ein Minus in der Kasse bekannt geben. Der neu gewählte (alte) Vorstand war sich jedoch dahingehend einig, dass im Jubiläumsjahr 1986 wieder eine gute Kampagne mit positivem Kassenabschluss zu erwarten sei und billigte daher die Durchführung verschiedener Veranstaltungen für den Sommer und die bevorstehende Karnevalszeit, die erfahrungsgemäß beim Publikum gut angekommen und erfolgersprechend sind.
Folgende Veranstaltungen sind für den RCV im Jahresablauf obligatorisch geworden: Sommer -und Herbstprogramm: Maiausflug (Radtour) Himmelsfahrt Ausflug (Wanderungen), Radrallye für Groß und Klein, Sommerfest im RCV-Zeughaus und Herbstausflüge (Omnibusfahrt).
An nachstehenden genannten Veranstaltungen der Stadt oder sonstiger Institutionen und Verbänden nimmt der RCV alljährlich mitgestaltet teil: Cityfest Rüsselsheim, Gewerbeausstellung, Oktoberfest im Altenheim und Erntedankfest der US -Streitkräfte.
In der Regel werden vom RCV folgende Veranstaltungen während der Karnevalszeit durchgeführt: Kampagneeröffnung, Presseempfang, Weihnachtsfeier; Neujahrsempfang (Akademische Feier), Ordensfeier, Senatsball, mehrere Prunk -Fremdensitzungen, Internationaler Gardetag mit Manöverball, Kindermaskenball und Fastnachtsbeerdigung mit Kateressen.
Das Sommerprogramm 1985 des RCV war wieder ein voller Erfolg. Beim Herbstausflug am 14.09.1985 zur Klostermühle Arnsbach ermittelten wir folgenden Fastnachts -Wahlspruch: Mit dem Motto: Spaß und Freund´ wer´n mer fuffzig liebe Leut´. Nach alter Tradition wurde das närrische Treiben mit Beginn der Kampagne am 11.11.1985 eröffnet und das Elferats- Komitee und die Garde auf die Fastnacht vereidigt. So gerüstet steigen wir frohen Mutes und mit einem dreifachen "Helau" in die Kampagne 1985/86 ein,... nur schade, dass sie dieses mal so kurz ist.
Quelle: RCV/eigener Bericht
Autor: Werner Potthast